Schmerzfokus® (SF) Psychotherapie zur kurativen Behandlung von chronischen Schmerzzuständen

  ISBN 978-3-7089-2145-7

Die Überwindung des kartesianischen Dualismus

Mit der Methode Schmerzfokus, die Thomas Weber 2013 entdeckte und zu einem neuropsychotherapeutischen Verfahren entwickelte, haben wir einen neuartigen Zugang zur nachhaltigen Auflösung von akuten und chronischen Schmerzzuständen. Einer der Hauptursachen, weshalb in der Schulmedizin die Behandlung von chronischem Schmerz nicht zu kurativem Erfolg führt liegt unter anderem darin, dass zahlreiche Fachleute nach wie vor am kartesianischen Weltbild von René Descartes festhalten, der Dualität von Physis und Psyche. Der renommierte Neurowissenschaftler Antonio Damasio hat 2000 nachgewiesen, dass ohne Gefühl kein vernünftiges Handeln möglich ist. Wenn wir einen unangenehmen Kloß im Hals verspüren und uns daraufhin eine Angst befällt, wissen wir, dass wir existieren. Damasio dazu: „Ich fühle also bin ich“. Es besteht eine konstante Verbindung zwischen Körper und Emotion durch das periphere und zentrale Nervensystem. Das Zentralnervensystem ist mit fast jedem Winkel des restlichen Körpers neuronal verknüpft mit Nerven, die in ihrer Gesamtheit das periphere Nervensystem bilden. Nerven übertragen Impulse vom Gehirn an den Körper und vom Körper ans Gehirn, so Damasio. Es besteht daher kein Zweifel daran, dass sämtliche körperlichen und psychischen Erkrankungen immer den ganzen Leib umfassen (Gehirn und Körper).

Der Schmerz als subjektives Geschehen

Schmerz ist ein subjektives Geschehen und lässt sich nicht objektivieren. Jeder Mensch macht während seines Lebens von frühester Kindheit an schmerzhafte Erfahrungen, seien es Stürze vom Fahrrad, Haushalts- und Sportverletzungen und auch seelische Verletzungen von Vernachlässigung oder im Stich gelassen werden. Es spielt eine entscheidende Rolle im Gedächtnis eines Menschen, ob wir sozialen Halt, Trost und Unterstützung erfahren während Schmerzerfahrungen oder ob wir im Schmerz alleine gelassen und lieblos getadelt werden. Wie viele dieser Erfahrungen wir gut verdauen und integrieren können, hängt von verschiedenen bio-psycho-sozialen Faktoren ab.

Wenn der Schmerz zum Dauerschmerz wird bzw. chronische Schmerzerkrankungen entstehen, spielt der Lebenskontext eines Menschen bei der Schmerzverarbeitung eine wesentliche Rolle. Sämtliche Erfahrungen mit Schmerz bleiben von Beginn des Lebens im Unbewussten als Erinnerungen gespeichert und werden bei jeder neuen schmerzhaften Erfahrung reaktiviert. Die psychotherapeutische Behandlung des Schmerzkontextes ist eine wirksame Vorgehensweise, um eine nachhaltige Verbesserung oder sogar Schmerzbefreiung zu erreichen.
Beispielsweise liegt der Angstpegel vor einer chirurgischen Operation je nach seelischer Verletzlichkeit des Menschen unterschiedlich hoch. Der Grad präoperativer Ängste ist laut neuer wissenschaftlicher Studien ausschlaggebend für  postoperative Komplikationen, wie z.B. langanhaltende Schmerzen, CRPS (chronic regional pain syndrome) usw. Vor einer bevorstehenden Operation muss der Patient vom Arzt darüber informiert werden, was während des chirurgischen Eingriffs schiefgehen kann (Nocebo Effekt); jeder Patient muss die belastenden Risikofaktoren und mögliche Folgestörungen zur Kenntnis nehmen, selbst abwägen und unterschreiben. Unsere Psyche ist es, die darüber entscheidet, in welchem Ausmaß wir nach einer Operation postoperative Schmerzen haben werden, sie lässt sich nicht einfach ausschalten. Ein körperlicher Schmerz wird, wenn er chronisch wird, zu einem emotionalen Schmerz.
Ein emotionaler Schmerz ist ein Geschehen, dass im Gehirn des Menschen im limbischen System emotional bewertet und im Bewusstsein des präfrontalen Kortex ausgewertet wird.

Unterscheidung von akutem und chronischem Schmerz

Beim akuten Schmerz werden über aufsteigende (afferente) Schmerzbahnen Schmerzreize zum Rückenmark und weiter zum Thalamus des Gehirns geleitet und von dort zentral weiterbearbeitet. Ein Schmerzreiz wird im Gehirn wahrgenommen und emotional und kognitiv bewertet, was eine entscheidende Rolle für die Schmerzantwort bedeutet. Wird ein wiederholter Schmerzreiz emotional und kognitiv sehr negativ bewertet, wirkt sich das entsprechend negativ für die Schmerzhemmung über absteigende (efferente) Bahnen aus, indem es z.B. länger weh tut und länger dauert, bis der akute Schmerz wieder abgeklungen ist.

Das Problem beim chronischen Schmerz ist, dass er nicht mehr vom Körper über schmerzleitende Bahnen zum Gehirn verläuft, sondern vorwiegend durch Schmerznetzwerke im Gehirn herbeigeführt wird. Das Gehirn führt quasi Regie - beispielsweise bei Rückenschmerzen feuern die entsprechenden „körperlichen Landkarten“ im Gehirn, so dass wir den Schmerz im Rücken spüren. Bei chronischen Schmerzerkrankungen wie der Fibromyalgie (Ganzkörperschmerz) kann der Schmerz nicht mehr emotional und kognitiv verarbeitet und dadurch nicht von alleine gedrosselt werden. Dies haben wissenschaftliche Studien von Karin Jensen et al. (2012) eindrucksvoll nachgewiesen.

Wenn Psychotherapeut:innen die Behandlung von chronischen Schmerzzuständen analog verstehen wie die Behandlung von Traumata, Stress oder emotionalen Krisen, dann wird der Zugang zu einer erweiterten Behandlung von Schmerz geschaffen.

Mithilfe der Schmerzfokus Methode ist es möglich geworden chronische Schmerzen deutlich zu verringern oder gegebenenfalls nachhaltig aufzulösen bzw. die Lebensqualität sichtbar zu verbessern. Indikation für Schmerzfokus: Knieschmerz, Rückenschmerz, Kopfschmerz (Migräne); bei schweren chronischen Schmerzerkrankungen wie Clusterkopfschmerz, CRPS (chronic regional pain syndrome), Polyneuropathie und Fibromyalgie benötigt es für eine nachhaltige Schmerzreduktion oder Schmerzremission eine Langzeittherapie mit der Schmerzfokus Methode mit speziellen Fachkenntnissen. Seit über 15 Jahren haben wir verschiedene therapeutische Techniken entwickelt, mithilfe derer man chronische Schmerzsymptome und -erkrankungen erfolgreich behandeln kann.

Weiterbildung für Professionals

In Fort- und Weiterbildung, die wir in Österreich, Deutschland, Ukraine und der Schweiz anbieten, haben Sie die Möglichkeit, eine Ausbildung in Schmerztherapie zu machen.

Literaturhinweis

Weber, T. (2021, 2.Aufl). Traumafokus. Eine neuropsychotherapeutische Methode zur Verarbeitung von psychischem Stress, Traumata und chronischem Schmerz. Wien: Facultas

Literaturverzeichnis